?? Alltagsgeschichte: Am Würstelstand (ORF ⎪ 1995)
Der Würstelstand ist eine österreichische Institution: Elizabeth T. Spira porträtiert Stammkunden am „Würstelstand“ und war mit Kameramann Peter Kasperak dafür in Wien und Linz unterwegs. Selbst spätnachts, wenn andere Lokale bereits geschlossen haben, kann man hier die traditionelle „Scharfe“, „Burenheidl“ oder „eine „Haße“ genießen. Es sind vor allem die Nachtschwärmer, einsame Menschen und jene, die kein Zuhause mehr haben, die man hier trifft. Bei Bier und Jägermeister erzählen sie von ihrem Leben. Für Günther, einem 55-jährigen Obdachlosen, ist der Würstelstand in Linz längst zur Heimat geworden.
„Best-of“-Wiedersehen: Elizabeth T. Spira drehte 1997 am West- und Südbahnhof in Wien. Ihre Gesprächspartner waren Reisende, Pendler, Eisenbahnfreunde, Liebende, jugendliche Ausreisser, Haftentlassene, Schmuggler und Obdachlose.
Die 77-jährige Hermine wohnt seit Jahren am Westbahnhof. Einst hätte sie einen reichen Mann heiraten können. Doch sie lehnte ab, da sie frei sein wollte. Mittlerweile hat sie sich an das Leben auf der Straße gewöhnt. Und obwohl ihr gesamtes Hab und Gut in einem Plastiksackerl Platz findet, bereut sie nichts.
Für Tudor, der vor 30 Jahren als Gastarbeiter nach Wien kam, ist der Südbahnhof Treffpunkt und Ersatz für das Kaffeehaus. Hier begegnet er seinen Landsleuten. Hier erfährt er Neuigkeiten. Hier kann er stundenlang tratschen, ohne etwas konsumieren zu müssen, denn seine Rente ist knapp.
Im Wartesaal schläft Heinrich, der seit seiner Scheidung vor vier Jahren keine Wohnung mehr hat. Früher wohnte er im schmucken Einfamilienhaus und verdiente gut. Doch die Trennung von seiner Frau brachte sein Leben aus dem Lot. „Der Abstieg“, meint er, „geht ganz von allein.“
Otto, der viele Jahre im Gefängnis verbracht hat, ist Bahnhofsprofi. Er weiß, wo er eine Gratisjause erhält und findet immer jemanden, der ihn auf ein Viertel Wein einlädt. Sein Vorbild: Dorian Gray.
Seit den Tagen seiner Kindheit besucht Wilfried den Bahnhof. Er ist Eisenbahnfreund und Spezialist für die Südbahn. Er sagt: „Der Bahnhof ist mein Leben.“
ORF ⎪ 1997
In dieser Folge der "Alltagsgeschichte" erzählt Elizabeth T. Spira gemeinsam mit Kameramann Peter Kasperak Geschichten aus dem Versatzamt. Immer wieder sind Menschen gezwungen, aus finanzieller Not geliebte Wertgegenstände ins Pfandhaus zu bringen. Es sind oft nur Kleinigkeiten, die die Menschen aus der Bahn werfen. Manche Menschen wollen auch trotz wenig Einkommen nicht auf Luxusgegenstände verzichten und kommen deshalb in Zahlungsnot.
ORF ⎪ 2000
In dieser Folge der Serie „Alltagsgeschichte„ porträtiert Elizabeth T.Spira (1942-2019) den Brunnenmarkt in Wien Ottakring. Der Straßenmarkt zählt zur Hochburg fremdsprachiger österreichischer Bürger: Türken, Bosnier, Serben, Inder und Chinesen bieten neben alteingesessenen Österreichern ihre Ware feil. In Geprächen mit Anrainern stellt sich heraus: das Zusammenleben zwischen den Kulturen ist nicht immer eine “gemähte Wiese".
Der Brunnenmarkt ist der längste Straßenmarkt Europas - hier treffen Okzident und Orient aufeinander. Neben alteingesessenen Österreichern bieten Türken, Bosnier, Serben, Inder, Chinesen und Russen ihre Ware feil. „Hier am Brunnenmarkt habe ich meine zweite Heimat gefunden“, meint Igor aus Montenegro, „meine erste Heimat ist seit 13 Jahren verschwunden“.
„Zu viele Ausländer", klagt der Wiener Peter und kauft nur an österreichischen Ständen. Auch Eier, denn „nur unsrige Eier, und zwar die aus Strebersdorf, haben zwei Dotter, im Gegensatz zu den ‚eindottrigen’ Eiern, die von den Türken verkauft werden".
Aydan, der Gemüsestandler, kam vor 34 Jahren aus der Türkei nach Wien und ist längst österreichischer Staatsbürger. Er macht keine Unterschiede zwischen Inländern und Ausländern, denn „ich liebe alle Menschen". Tag für Tag begegnet man im Wirtshaus „Zur Brez'n" dem 57-jährigen Hafnermeister Ewald, der nach 30 Jahren von seiner Firma gekündigt wurde. „Ich habe zu viel Zeit, die ich totschlagen muss. Ich denke über mein Leben nach, saufe mich an und zu Hause tu ich hirntschechern: dass ich zum alten Eisen gehöre und dass mich niemand mehr braucht."
Die Bosnierin Nadja kam 1992 schwer verletzt nach Wien - eine Granate hatte sie am Bein getroffen. Durch den Krieg verlor sie ihren Mann, „meine erste und letzte Liebe". Hier arbeitet sie als Putzfrau, in ihrer alten Heimat war sie Buchhalterin. „In meinem Bosnien war ich eine große Dame - hier lebe, überlebe ich nur."
Bei einem Sauerkrautstand macht sich Wienerin Katharina um unser aller Zukunft Sorgen: „An einem Sonntagvormittag wird die Katastrophe kommen und die Russen werden unser Land besetzen." Doch noch ist Österreich nicht verloren, denn „die Chinesen werden uns retten - mit ihren kleinen wendigen Panzern".
ORF ⎪ 2004
In dieser Folge der Serie „Alltagsgeschichte" geht Elizabeth T. Spira gemeinsam mit Kameramann Martin Petritsch der Frage nach, warum sich Menschen tätowieren lassen. Und sie finden sehr unterschiedliche Antworten.
Wolfgang trägt auf der linken Brust das Porträt seiner Mutter, die gestorben ist, als er sieben Jahre alt war: „Danach begann eine dunkle Zeit in meinem Leben. Ich wollte meiner Mutter nah sein und habe ihr ein ganz persönliches Denkmal gesetzt“, erzählt der Feuerwehrmann und Tätowierer über seine Beweggründe.
Hauptschullehrerin Brigitte wollte schon als Kind immer auffallen und „aus der Masse hervorragen“. Seit etwa zehn Jahren lässt sie sich tätowieren, denn sie will bunt werden: „Meine Haut ist die Leinwand der Tätowierkünstlerin.“ Der Frühpensionist Jolly hat sich einen Buddha auf den linken Unterarm tätowieren lassen. Er hofft auf ein zweites Leben, da das erste nicht gut verlaufen ist.
Gerichtsmediziner Robert, 48, ist ein Spätberufener - er begann erst vor drei Jahren, sich tätowieren zu lassen. Auf dem rechten Oberarm befindet sich das Bildnis des kubanischen Freiheitskämpfers Che Guevara, auf dem linken das aristokratische Familienwappen.
Jackson, ein Gerüster, trägt über seinem Herzen ein Erinnerungsstück an seinen besten Freund, der vor einigen Jahren verunglückt ist: „In Memory of Ivan.“ Tätowiererin Veronika „liebt Kitsch und Farben, die nicht zusammenpassen“. Am Busen trägt sie einen prall gefüllten Obstkorb mit Kirschen, Bananen, Himbeeren und Heidelbeeren. An ihren Armen tummeln sich Fische und Frösche. „Ich verkauf in Wirklichkeit etwas völlig Sinnloses, das niemand braucht, aber jeder haben will.“
Pensionist Enzo lässt sich seit 40 Jahren tätowieren. Er hat ein abenteuerliches Leben hinter sich: Fremdenlegion in Afrika, Aktivist in Südtirol, Portier beim kommunistischen Globus-Verlag. Seit sechs Jahren lässt er sich auch im Gesicht tätowieren. Auf der Stirn: rote Rosen und ein Vogerl, auf der Nase: eine Eidechse, auf dem Haupt: einen Skarabäus und ein Gemälde von Munch: „Der Schrei“, und am Hals eine Eule, einen Puma und die Madonna von Syrakus: „Weil ich Schutz von oben brauche“, sagt Enzo.
ORF ⎪ 2004
In dieser Ausgabe begibt sich die Filmemacherin Elizabeth T. Spira gemeinsam mit ihrem Kameramann Peter Kasperak in die Markthalle Wien Mitte. Bis zu ihrer endgültigen Schließung im Jahr 2008 war die Halle nach dem Motto "Außen pfui, innen hui" eine Institution der Landstraßer Anrainer. Das Marktbeisl - ein bereits am frühen Morgen beliebter Treffpunkt für Langaufbleiber und Pensionisten, wo bei einem Pfiff über den aktuellen Bierpreis diskutiert wird. Auch beim Fleischhauer Herrn Günther ist am Vormittag Hochbetrieb. Für seine Leid getragenen Kunden hat Herr Günther nicht nur aufmunternde Worte, sondern auch immer einen Schnaps bereit. Beim Gemüsestand schwärmt eine alte Herrschaftsköchin von jener Zeit, als sie noch für Grafen kochte. Im Marktcafé wartet eine Witwe auf einen jungen Herrn. Und während sich ein polternder Gast im Marktbüffet von Menschen aus dem Osten bedroht fühlt, spielt ein Roma ein paar Schritte weiter auf seiner Ziehharmonika eine leise Melodie.
ORF ⎪ 1995
In dieser Folge ihrer „Alltagsgeschichte“ aus dem Jahr 1995 besuchen Elizabeth T. Spira und ihr Kameramann Peter Kasperak Menschen, die ihr Herz an einen oder mehrere Vögel verloren haben. Ihre Beziehung zum „Burli“, „Pipsi“ oder „Boberl“ ist oft seltsam, geheimnisvoll, hintergründig und - manchmal - voll rätselhafter Poesie.
Frau Thea kommt täglich an das Grab von „Mama“, „Papa“ und „Burli“. Die drei treuen Verblichenen sind Nymphensittiche, die unter einem Kastanienbaum in Wien-Floridsdorf bestattet sind. Ein ähnlich inniges Verhältnis hat auch die seit langem verwitwete Frau Aloisia zu ihrem Haustier. Sie lebt gemeinsam mit Papagei „Gogo“ in einer kleinen Gemeindebauwohnung in Wien-Donaustadt.
Die einst lebenslustige Aloisia fühlt sich heute sehr einsam. Dass „Gogo“ bitterlich weinen kann, stimmt die alte Dame oft nachdenklich.
Auch Erni Mangold teilt ihr Heim mit einem Papagei. Der nimmt sich kein Blatt vor den Schnabel, verlangt ungeniert nach seinem rechtmäßigen Platz auf Fraulis Schulter und erschleicht es sich mit Bussi-Geben. Frau Ulrich ist die „Vogerlmutter“ in Graz. Sie betreut kranke Tiere: Rotkehlchen, Amseln und Schwalben. Die Mindestrentnerin lebt mit ihren Vögeln in einem kleinen Keller und verfüttert die ohnehin karge Pension an ihre Patienten. Sobald sie gesund sind, entlässt Frau Ulrich die Vögel in die Freiheit.
„Das Glück ist“ eben „ein Vogerl“, sang schon Burgschauspielerin Erika Pluhar.
ORF ⎪ 1995
Die Filmemacherin Elizabeth T. Spira hat stets Menschen und Orte sichtbar gemacht, die sonst kaum ins Blickfeld geraten, ja übersehen werden. Das trifft vor allem auf diese Folge der "Alltagsgeschichten" zu, die Spira in die U-Bahnstationen Wiens führt. Die dort gemachten Zufallsbegegnungen erzählen die Geschichten von Menschen, für die das Transportmittel eine zweite Heimat geworden ist.
ORF ⎪ 1993
Dr. Alfred war "immer ein guter Denker und schlechter Sportler". Nun versucht er mit 72 Jahren, seine Angst vor dem Sprung ins Wasser zu überwinden und trainiert am Sprungbrett. Frau Anna besucht das Tröpflerbad, denn ihr Mann hat ihr das Baden im eigenen Heim verboten. Der Grund: die Stromrechnung. Elizabeth T. Spira erzählt in dieser Ausgabe von "Alltagsgeschichten: Im Bad".
ORF ⎪ 1998
Immer mehr Menschen in Europa verbringen ihren Urlaub auf dem Campingplatz. Nach dem Mauerfall setzt zu Beginn der 1990er Jahre ein wahrer Boom ein.
Aus dem ironischen Blickwinkel einer Nicht-Camperin versucht Elizabeth T.Spira dem Massenphänomen Camping auf die Spur zu kommen.
Im ausgeborgten Wohnmobil fuhr sie mit Kamerateam und Mitarbeiterin Maria Stipsicz durch Österreich, Jugoslawien und Ungarn.
ORF ⎪ 1990